ASE Investment AG

In den Jahren 2006 bis 2012 versprach die ASE (Anlage-Sicherheit-Ertrag) Anlegern Renditen bis zu 18% pro Jahr. Das vermeintlich sichere Investment endete für die Anleger in einem Totalverlust. Anstelle von nachhaltiger Vermögensverwaltung betrieb die ASE ein Schneeballsystem. Der Schaden beziffert sich auf rund CHF 170 Mio. Geschädigt wurden rund 2500 Anleger.

Der Millionenbetrug nahm seinen Anfang im Kanton Aargau, wo die ASE Investment AG inkorporiert war. Die ASE Investment AG stand für "Anlage, Sicherheit, Ertrag" und bot als externer Vermögensverwalter Kunden Devisenhandel an. Geschäftsführer und Dratzieher hinter dem Schneeballsystem war Martin Schlegel. Verwaltungsratspräsident und Komplize war Simon Müller. Brisant dabei ist, dass auch die Basler Kantonalbank als Depotbank involviert war und nach Meinung des Haupttäters Schlegel hätte Verdacht schöpfen müssen "Eigentlich hätten es alle sehen können, wenn sie die richtigen Fragen gestellt hätten", sagte er vor Obergericht. Die Dratzieher nutzten denn auch die Basler Kantonalbank für ihre Marketingzwecke und priesen das Devisengeschäft mit Traumrenditen dank der Staatsgarantie der Basler Kantonalbank als sicher an.


Doch wie konnte ein solches offensichtliches Schneeballsystem über mehrere Jahre funktionieren. Einerseits war dies der Skrupellosigkeit der involvierten Personen geschuldet, andererseits nutzte Schlegel geheime Konten in kanadischen Dollars, um die sich angehäuften Verluste von Anlegern zu kaschieren. Operiert wurde mit gefälschten Kontoauszügen und gefälschten Unterschriften. Den Anlegern wurden jeweils fiktive Gewinne vorgetäuscht.


Während Schlegel vor Bezirksgericht eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren kassierte, reduzierte das Obergericht auf Berufung hin diese auf 28 Monate. Die Staatsanwaltschaft ging gegen dieses milde Urteil vor Bundesgericht und bekam Recht. Das Bundesgericht qualifizerte das Verhalten des Verwaltungsratspräsidenten Müller als "krass pflichtwidrig". Nach dem Bundesgericht habe Müller "eine völlige Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal der Kundengelder" gezeigt. Der Millionenbetrug kommt nun erneut vor das Obergericht, welches noch einmal über die Bücher muss.


Der Hauptangeklagte kassierte vom Bezirksgeicht eine wesentlich höhere Freiheitsstrafe von neun Jahren. Ferner wurde ein ehemaliger Kundenberater der Basler Kantonalbank mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten bestraft. Das Bezirksgericht beurteilt auch Zivilklagen und sprach den geschädigten Anlegern CHF 30 Mio. zu, welche der ehemalige Geschäftsführer und Verwaltungsrat der ASE bezahlen müssen. Angeblich hat die Basler Kantonalbank mit einem Teil der geschädigten Anleger einen Vergleich über CHF 50 Mio. erzielt.


Parallel zum Strafverfahren wurde der ehemalige CEO der Basler Kantonalbank vom Eidgenössischen Finanzdepartement im 2020 wegen Verletzung der Meldepflicht bei Geldwäschereiverdacht verurteilt. Das Eidgenössische Finanzdepartement argumentierte, dass bei rechtzeitiger Verdachtsmeldung die Strafverfolgungsbehörden wesentlich früher hätten einschreiten können.


"Sollte auch die Basler Kantonalbank verurteilt werden, könnten sich die geschädigten Anleger möglicherweise an derselben schadlos halten"

Für die übrigen geprellten Anleger ist dies ein Hoffnungsschimmer. Sollte auch die Basler Kantonalbank verurteilt werden, weil sie die Geldwäscherei der ASE Investment AG geduldet hat, könnten sich die geschädigten Anleger möglicherweise an derselben schadlos halten. Rund 300 geschädigte Anleger haben vor dem Obergericht des Kantons Aagrau erwirkt, dass die Staatsanwaltschaft das Strafverfahren gegen die Basler Kantonalbank fortführen muss, was vom Bundesgericht im 2019 bestätigt wurde. Die strafrechtliche Aufarbeitung gegen die Basler Kantonalbank wird nun neu aufgerollt.