SAR premium cars AG, einer der grössten Fälle von Wirtschafts-kriminalität im Kanton Aargau

Die SAR premium cars AG war eine in Dintikon domizilierte Autogarage, welche von Riccardo Santoro betrieben wurde, die seit 2007 günstige und flexible Autoleasing anbot. Das Leasing wurde jeweils über die Fidis Finance (Suisse) SA abgeschlossen. Im Vergleich zur Konkurrenz konnte die SAR premium cars AG aussergewöhnliche Konditionen bieten, wovon sehr viele Kunden Gebrauch machten. Trotz des kurzzeitig florierenden Geschäftes verbuchte die SAR premium cars AG beim Rückkauf der Fahrzeuge bei Leasingende von der Fidis Finance (Suisse) SA langfristig hohe Verluste. Dies führte zu einer Überschuldung der Gesellschaft.


Im 2010 kam die SAR premium cars AG schliesslich in finanzielle Schieflage und konnte Verbindlichkeiten gegenüber der Leasinggesellschaft nicht mehr erfüllen. Im Mai 2011 eskalierte die Situation schliesslich und über die SAR premium cars AG wurde der Konkurs eröffnet. Erst sieben Jahre später, d.h. im 2018, wurde gegen den ehemaligen Autokönig Santoro Anklage wegen Millionenbetrug erhoben.

"Der Deliktsbetrag beziffert sich auf rund CHF 36 Mio."

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau führte eine aufwendige Untersuchung durch und warf Santoro in der Anklageschrift 89 Veruntreuungen und in 191 Fällen Urkundenfälschung vor. Bei 50 Fahrzeugverkäufen soll Santoro gewerbsmässigen Betrug begangen haben, indem er Leasingfahrzeuge gleichzeitig an mehrere Leasinggesellschaften oder unter falschen Angaben von Fahrzeugdaten doppelt an die gleiche Leasinggesellschaft verkauft zu haben. Die Vorwürfe der Veruntreuung basieren auf der Behauptung, dass Santoro die Rücknahme von Leasing Autos verheimlichte und diese anschliessend verkaufte haben soll. Was die Urkundendelikte betrifft, soll Santoro Unterschriften von Kunden, Fahrzeugausweiskopien und sogenannte Code 178 Formulare gefälscht haben. Dadurch wurden Fahrzeugausweise von Leasingfahrzeugen annulliert, wodurch trotz des laufenden Leasings ein Halterwechsel vorgenommen werden konnte. Angesichts dieser Umstände erstaunt es nicht, dass die Staatsanwaltschaft Santoro auch die Fälschung der Buchhaltung der SAR premium cars AG vorwirft.


Die Anklageschrift umfasste 355 Seiten und basiert auf 376 Bundesordner Verfahrensakten. Bei der Staatsanwaltschaft lagen im 2012 rund 60 Strafanzeigen von geschädigten Personen vor. Aufgrund des erheblichen Aktenumfanges bewilligte das Kantonsparlament sogar einen Kredit, damit die Staatsanwaltschaft weitere acht Stellen zur Aufarbeitung des Betrugsfalls schaffen konnte. Der Deliktsbetrag beziffert sich auf rund CHF 36 Mio.


Über 40 beschlagnahme Fahrzeuge wurden im Juli 2012 durch die Staatsanwaltschaft versteigert. Die Villa von Santoro ging für CHF 2.34 Mio. an die Aargauische Kantonalbank und die Garage wurde für rund CHF 1 Mio. veräussert. Riccardo Santoro des gewerbsmässigen Betrugs, der Misswirtschaft, Veruntreuung, Urkundenfälschung und der ungetreuen Geschäftsbesorgung schuldig gesprochen

"Santoro des gewerbsmässigen Betrugs, der Misswirtschaft, Veruntreuung, Urkundenfälschung und der ungetreuen Geschäftsbesorgung schuldig gesprochen"

Im 2019 wurde Santoro zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt und das Strafgericht sprach den geschädigten Parteien Schadenersatz in Millionenhöhe zu. Santoro wurde des gewerbsmässigen Betrugs, der Misswirtschaft, Veruntreuung, Urkundenfälschung und der ungetreuen Geschäftsbesorgung schuldig gesprochen.


Santoro bestreitet bis heute die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft und legte gegen das Urteil des Bezirksgericht Berufung ein, welche vor dem Obergericht des Kantons Aargau hängig ist.