Retrozessionen - Geld, das den Kunden gehört

Retrozessionen sind Provisionen, welche Banken und Vermögensverwalter von Dritten erhalten. Über Jahrzehnte haben Banken und Vermögensverwalter Retrozessionen vereinnahmt, welche grundsätzlich ihre Kunden zugestanden wären. Es handelt sich dabei um Provisionen, welche beispielsweise ein Vermögensverwalter dafür erhält, dass er Finanzprodukte einer bestimmten Bank an seine Kunden verkauft.


Bereits im 2006 entschied das Bundesgericht in einem Grundsatzurteil, dass unabhängige Vermögensverwalter Retrozessionen an ihre Kunden herausgeben müssen. Im 2012 stellte das Bundesgericht klar, dass die Herausgabepflicht auch Banken trifft, wenn diese Vermögen von Kunden verwalten. In einem weiteren Urteil entschied das Bundesgericht, dass die Verjährung des Herausgabeanspruchs für Retrozessionen 10 Jahre beträgt, d.h. man kann von Vermögensverwaltern und Banken Retrozessionen der letzten 10 Jahre zurückfordern.


Durch Retrozessionen werden falsche Anreize in der Beratung von Kunden und in der Vermögensverwaltung gesetzt. Es besteht folglich ein Interessenkonflikt im Sinne, dass dem Kunden nicht das für ihn passendste Produkt angeboten wird, sondern das Produkt mit der höchsten Vertriebsentschädigung. Es besteht die Gefahr, dass eine Bank beispielsweise nicht in das Fondsprodukt A, welches für den Kunden optimal wäre, sondern in das weniger gut geeignete Fondsprodukt B investiert, welches aber eine höhere Provision generiert.


Retrozessionen können aber nur dann herausverlangt werden, wenn man nicht rechtsgültig auf die Herausgabe verzichtet hat. Für einen gültigen Verzicht müssen spezifische Voraussetzungen erfüllt sein, welche im Einzelfall zu prüfen sind. Selbst wenn ein Kunde in den letzten Jahren auf die zukünftige Herausgabe von Retrozessionen verzichtet hat, können immer noch Retrozessionen aus den Vorjahren herausverlangt werden.


Über Jahrzehnte haben Banken und Vermögensverwalter zu Unrecht Retrozessionen einbehalten, anstelle diese den Kunden abzuliefern. Im Durchschnitt ist den Kunden dadurch ein Betrag von bis zu 1% des verwalteten Vermögens pro Jahr entgangen. Darüber hinaus schuldet die Bank bzw. der Vermögensverwalter Zins zu 5% pro Jahr. Wurden Retrozessionen von der Bank bzw. dem Vermögensverwalter über mehrere Jahre zu Unrecht vereinnahmt, können daraus erhebliche Ansprüche resultieren.


Die Abklärung ob und in welcher Höhe Retrozessionen an Ihre Bank oder Ihren Vermögensverwalter ausbezahlt wurden lohnt sich somit in jedem Fall. In einem ersten Schritt müssen Sie sich eine Übersicht über die in den letzten 10 Jahren an die Bank bzw. den Vermögensverwalter ausbezahlten Retrozessionen verschaffen. Vermögensverwalter und Banken sind verpflichtet, ihren Kunden Rechenschaft abzulegen und Auskunft über die vereinnahmten Retrozessionen zu geben.


Sobald Sie wissen, wie viele Retrozessionen ihre Bank bzw. ihr Vermögensverwalter über die Jahre vereinnahmt hat, können Sie diese herausverlangen. Ausgewiesene Retrozessionen können in der Regel einfach und kostengünstig durchgesetzt werden. Sollten Sie Fragen zu dieser Thematik haben, helfen Ihnen die Rechtsanwälte unseres Netzwerkes gerne weiter.