European Kings Club, ein einmaliger Fall

Tausende Schweizer investierten in den 90er Jahre in ein Schneeballsystem namens European Kings Club. Den Anlegern wurden Renditen von 70% versprochen. Der Traum von hohen Renditen endete für einen grossen Teil der Anleger in einem Fiasko. Die neuen Anleger bezahlten den alten die Rendite und hielten dadurch das Schneeballsystem über drei Jahre am laufen. Die Besonderheit des Schneeballsystem war, dass es sektenartige Züge hatte und nebst wirtschaftlichen Interessen, insbesondere ein Gemeinschaftsgefühl für den Erfolg des Betruges entscheidend war.

Der European Kings Club funktionierte durch den Verkauf von sogenannten "Letters" zu einem Stückpreis von CHF 1'400.--, wobei Ausschüttungen von CHF 200.-- à je 12 Monatsraten garantiert wurden. Das Investment in den European Kings Club sollte somit innerhalb eines Jahres eine Rendite von 70% generieren. Anstelle von Renditen, gab es bei vielen Anlegern aber einen Totalverlust.

“Rund 80'000 Anleger verloren insgesamt CHF 1.6 Mrd. In der Schweiz investierten rund 20'000 Anleger ca. CHF 280 Mio. Ein Teil des Geldes konnte in der Schweiz sichergestellt werden, allerdings versickerte ein grosser Teil des investierten Vermögens im Ausland.”

Das Schneeballsystem zeichnete sich durch eine ideologische Prägung aus, wonach die Europäische Gemeinschaft und Freimaurer den kleinen Mann ausbeuten würden. Die Ideologie des Clubs fand insbesondere in der Innerschweiz einen fruchtbaren Nährboden, zumal mit dem Freiheitsdrang der Innerschweizer eine Gemeinsamkeit suggeriert wurde. Als Feindbilder fungierten die Banken, welche sich nicht um den kleinen Sparer kümmern würden. Zu den Mitgliedern des European Kings Club zählten denn auch insbesondere Kleinanleger, welche sich durch das Gemeinschaftsgefühl und die Ideologie des Clubs bestätigt fühlten.


Die Gründerin des European Kings Club war Damara Bertges, welche mit dem deutschen Arzt Hans Günther Spachtholz gemeinsame Sache machte. Weder Bertges noch Spachtholz verfügten über eine entsprechende Ausbildung oder Anlageerfahrung, weshalb das ertrogene Vermögen verschleudert, dubiosen Personen anvertraut und in verlustreiche Geschäfte investiert wurde. Spachthold legte ein Geständnis ab und wurde zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Bertges verweigerte die Zusammenarbeit mit der Justiz, wurde nach Deutschland ausgeliefert und schliesslich wegen Betruges zu acht Jahren Haft verurteilt.


Bis zuletzt protestierten Anhänger des European Kings Club vor dem Gefängnis, wo Bertges inhaftiert war, und machten die Justiz für den Zusammenbruch des Clubs verantwortlich. Trotz des offensichtlichen Betruges hielten viele Mitglieder weiterhin zu Bertges, womit der Club sich gewissermassen selbst überlebte.